Montag, 1. August 2011
I swear!
So, Sie verlassen holländisches Hoheitsgebiet und betreten…. Deutsches! Allerdings in einer Richtung, in der das nicht zu erwarten war – südliche. Auch `ne Erfahrung. Wir hatten ja größenwahnsinnig auf einen Tagestrip nach Venedig gehofft, aber wirlich ein ganzer Tag ist mit den beiden Kleinen nicht zu machen, besonders, weil ja vermutlich der Kinderwagen weder in Bus noch in Fähre passt – und ein ganzer Tag mit gefühlten 30° und Oskar im Tragetuch am Körper – das hält ja keiner aus! Jetzt blutet mir das Herz ein bisschen beim Anblick der Venedig-Postkarten, aber so ist das wohl – Urlaub mit kleinen Kindern. Ich muss ja auch permanent den Anblick von anderen Campern aushalten, die vor ihrem Wagen liegen und den ganzen Tag lesen oder schlafen, während ich wahlweise Julius einfange, Oskar füttere oder einen von beiden wickele. Aber gut, man kriegt ja soviel zurück!!!! Michael und ich beschränken uns derweil auf ein „Irgendwann, aber dann!!!“, dann geht Michael wieder mit Julius im Wasser toben und ich passe auf, dass Oskar nicht zuviel Sand isst, oder umgekehrt. Und so eine Art Aktiv-Urlaub hat ja auch was für sich, ist halt ja nur ganz anders.
Der Platz ist auf jeden Fall auch ganz anders als die, die wir bis jetzt hatten. Michael hats ja schon geschrieben – eine Ferienfabrik. Kann man mögen, muss man aber nicht. Auf der Hinfahrt ist uns jedenfalls der Mund offenstehen geblieben. Von diesen „Fabriken“ sind hier mehrere hintereinander am Strand und einer von denen ist in unserem Campingführer als „einer der Spitzenplätze Europas“ beschrieben (unser Führer neigt sonst nicht zu pathetischer Übertreibung). Vor dem Eingang dieses Platzes stand eine lange Schlange Wohnwagen, die alle dort Einlass begehrten – man kann hier ein bisschen das „Maria-und-Josef-suchen-eine-Herberge“-Gefühl kriegen. Bei unserem Platz standen wenigstens nur 4 Fahrzeuge (auch schon mehr als bei allen anderen Plätzen, die wir besucht haben zusammen). Und tatsächlich haben wir den letzten Platz gekriegt – komisch, den kriegen wir irgendwie immer, aber wahrscheinlich haben die vor und die hinter uns den auch gekriegt. Unserer liegt diesmal jedenfalls direkt am Klohäuschen und ich kann mich an einen Zelturlaub mit 18 erinnern, in dem wir so einen Platz sehr cool fanden, denn da müssen ja alle vorbei und dann ist da immer was los. Aus demselben Grund finden wir das jetzt semiprickelnd, aber gut. Der Platz liegt schattig unter Pinien und zuviel meckern will ich auch nicht – funktioniert alles ganz gut. Die Leute um uns herum sind oft auch sehr interessant. Heute habe ich z.B. ein fremdes Kind in Unkenntnis seiner Nationalität auf dem Spielplatz angeschrien (Zufallstreffer: Es war deutsch), und wer mich spielplatztechnisch kennt, weiß, dass ich das eigentlich nicht tue. Aber dieser Junge kneift Julius und spuckt ihn an und Vati (oder Opi) sitzt auf der Bank und spielt Mikado (wer sich bewegt, verliert). Als ich seinen Sohn (oder Enkel) brüllend von meinem Sohn fortgetrieben habe, verliert Vati die Partie, indem er sich erhebt und wortlos mit seinem Sprössling abzieht. Hääh? Ich hatte mich schon auf eine Diskussion eingestellt ala Ömi. Andererseits geht ein volltätowierter „Mitten-im-Leben“-Darsteller wortlos hin und steckt Julius, der fordernd meckernd auf einem Spielschaukeldinosaurier sitzt, 50 Cent ein, damit das Tierchen sich bewegt und geht genauso wortlos weiter. Nochmal Hääh (aber diesmal mit danke)? Auch die Minidisco läuft hier anders als im letzten Campingplatz. Hier wird nicht mit den Kindern getanzt, sondern zwei Animateusen (richtig so?) stehen auf einer Bühne und machen den Hampelmann (wortwörtlich) und bewegen zu dem Lied so deutlich die Lippen, dass es eher nach Gebärdensprache aussieht. (Ich führe das gerne zu Hause einmal vor…). Dazu nuschelt ein Moderator zwischendurch ins Micro, was danach für ein Programm kommt („The people, who leave now, loose so much fun, I swear!“) und Animateur Ivo (Michael hatte zuerst auf seinem Namensschild Dr. No gelesen und sich nicht einmal gewundert) macht sich in der Zwischenzeit an eine Schnecke ran, bis der Moderator „Ivo“ ins Micro nuschelt, dann muss Ivo geschäftig abwackeln. Tomorrow we leave Italy, and we had so much fun, I swear!
wifi italien (doc, 54 KB)

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