Montag, 16. Juli 2012
Luganer See, Camping Piodella
Heute lassen wir erstmal deutsche auf Schweizer Pünktlichkeit knallen. Mit dem Packen sind wir fertig um 10.35 Uhr, die Rezeption (eine etwas euphemistische Beschreibung für den Campingplatzbesitzer, der in einem Container sitzt) schließt aber leider um 10.30 - Tür geschlossen. Michael kann den Mann aber doch noch stellen und soviel italienische Lässigkeit schwebt in Luzern dann doch schon durch die Luft, dass wir den Platz doch noch verlassen dürfen (ansonsten hätten wir bis 14 Uhr da festgesessen). Jochen und Conny waren schon rechtzeitig für den langsameren Bus losgefahren, um dann am Gardasee wieder zu uns zu stoßen, wenn auf dem Platz noch Platz ist. Diese Etappe führt uns durch den Gotthardtunnel und noch unzählige andere Klaustrophobie-Röhren, oft auch gern mit Gegenverkehr, ohne Leitplanke und mit einem gut ausgeschilderten Rettungssystem: Tunneleingang mit Schild: Tunnellänge 2 km, nach einigen Metern neues Schild: Notausgang zurück 10m, nach vorne 2 km, Na danke, da weiß ich wenigstens, womit ich es zu tun habe. Michael hat auch wieder Verfolgungswahnphantasien. Er glaubt an Leute, die irgendwo vor einem Bildschirm sitzen und die Ampeln für die Durchfahrt willkürlich schalten. Immerhin haben die Navi-Hacker von letzem Jahr uns bis jetzt in Ruhe gelassen, aber wir sind auf der Hut! Mittags treffen wir am Luganer See ein und müssen erst noch eine Stadtrundfahrt durch Lugano über uns ergehen lassen. Sehr schönes Städtchen mit italienischem Flair, kleinen Gassen und enormen Höhenunterschieden, die in engen Serpentinen überwunden werden wollen - eine wahre Freude für Michael und das motorisierte Gespann unter unseren Hintern. Als wir zum Campingplatz einbiegen, steht vor uns .... der Bus! Jochen und Conny haben den Plan, bis an den Lago Maggiore zu kommen aufgegeben und zufällig unseren Campingplatz angesteuert. Wir kriegen zwei aneinandergrenzende Plätze und einen Logenplatz auf die Einflugschneise des Luganer Flughafens. Für andere eine Katastrophe, für uns willkommene Abwechslung für die drei Einmeterriesen, die bei jedem ankommenden oder abfliegenden Flugzeug in Begeisterung ausbrechen. Beim ersten Gang zum See tritt Julius auf eine Biene, die ihm freundlicherweise ihren Stachel in der Fußsohle überlässt, der mit einer Pinzette entfernt wird. Das alles wird klaglos ertragen, man will ja in den See!!! Abends beginnt eine bunt angemalte, mit bunten Lampen erleuchtete und Musik dudelnde “Eisenbahn” ihre Runden über den Platz zu ziehen, was uns eher ratlos zurücklässt - einmal in Bezug auf den Grad der Geschmacksverirrung und auf die Zahl der Verletzten durch die ziemlich ordentliche Geschwindigkeit, mit der dieses Ungetüm über den Platz heizt. Die drei Kleinen sind aber wiederum entzückt und drehen mit je einem ratlosen und beschämt auf den Boden blickenden Elternteil eine bis mehrere Runden mit dem Ding. Auffällig ist hier auch der inoffizielle Dresscode, dem manche Platzbewohner zu folgen scheinen. Der Herr trägt gerne Klettsandalen älteren Semesters mit Socken, dazu Shorts mitohne Oberteil. Die Dame trägt Knallfarben, oft Bikinioberteil und Hotpants. Dabei scheint die Figur darin eher sekundär zu sein. Der Knaller dazu waren durchsichtige Plastikpumps. Die gab es aber nur einmal zu bestaunen - der Laden muss ein Geheimtipp sein.

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